Schwangerschaft und die Geburt

Meine Schwangerschaft mit Zoe war wunderbar. Kürzertreten musste ich erst ab der 30. Woche. Damit Zoe noch lange genug im Bauch bleibt durfte ich ab dann nicht mehr eine Stunde am Tag spazieren, sondern nur noch gut eine halbe. Ich durfte auch nicht mehr viel im Haushalt machen, was mich aber nicht wirklich belastete. Ich wurde zu Hause gerne von meinem Mann bekocht, er erledigte den Einkauf und die Wäsche, und ich ließ es mir noch einmal so richtig gut gehen. Jeden Tag ein netter Kaffeeplausch mit einer meiner Freundinnen, Bücher lesen, Filme schauen und einfach nur schlafen. Den Tipp bekommt schließlich jede werdende Mutter: schlaf noch so viel es geht! Ein Vorschlafen gibt’s ja leider nicht. Aber trotzdem tut’s richtig gut, wenn man sich über die kommende schlaflose Zeit bewusst ist.

Ich habe mich auch immer in meinem Körper wohl gefühlt. Mein Mann und all meine Bekannten und Verwandten haben mir immer gesagt, dass ich eine schöne Schwangere bin. Dass ich einfach ein unglaubliches Strahlen im Gesicht habe und meine Mitmenschen mit meiner positiven Energie mitreiße. Vielleicht lag es auch daran, dass ich fast jeden Tag Yoga gemacht habe. Oder einfach daran, dass ich mich unglaublich auf das kleine, in mir wachsende Wesen gefreut habe.

Als der Tag dann da war und Zoe sich ankündigte, war es mir erst gar nicht so bewusst. Es war ein Montagmorgen, noch drei Wochen vor dem eigentlichen Geburtstermin. Ich habe gut geschlafen. Etwas komisch geträumt, ja. Vom Baby, wie so oft in den vergangenen Wochen. Doch irgendwie habe ich mich an dem Morgen komisch gefühlt. Nicht wirklich Schmerzen, sondern einen unglaublichen Druck. Einen Druck, der mich nicht mehr ruhig sitzen ließ. „Ich glaube, wir müssen ins Krankenhaus fahren.“ Jeden Tag habe ich mir ausgemalt, wie es sein wird in dem Moment, wenn ich diese Worte ausspreche. Und wie mein Mann wohl reagieren wird. Seit gut einer Woche haben wir schon unsere Klamotten neben dem Bett liegen, falls es in der Nacht mal so weit sein würde. Wir haben uns in Ruhe angezogen, Zähne geputzt, mein Mann hat die Krankenhaustasche genommen und wir sind nach unten Richtung Garage spaziert. Aus dem zweiten Stock. „Kannst du gehen? Muss ich dich tragen?“ Mein Mann war aufgeregt. Die fünfzehn-minütige Fahrt ins Krankenhaus kam mir wie eine Ewigkeit vor. Es schneite draußen, große, schöne Flocken. Das erste richtige Schneien im vergangenen Winter. Wir waren noch gut zehn Kilometer vom Krankenhaus entfernt, als es plötzlich nass unter mir wurde. Die Fruchtblase war geplatzt. Ob er überholen solle, fragte mich mein Mann mehrere Male. Ob ich in Ordnung sei, fragte er. Ob die Schmerzen erträglich sind. Ich war ruhig, atmete tief und konzentrierte mich auf den Vorgang in mir. Mit mir. Zoe kommt. Heute. Bald. Das Einchecken im Kreissaal blieb mir erspart. Ich konnte plötzlich nicht mehr stehen. Es fühlte sich an als wäre etwas zwischen meinen Beinen. Ich durfte  mich sofort hinlegen. Die Hebamme hing mir den Wehenschreiber an. Und die Schmerzen wurden immer stärker. Mir wurde immer schlechter. Der Muttermund war schon sechs Zentimeter offen. Wir seien spät gekommen, meinte die Hebamme. Sie wollte meine Daten aufnehmen, ich konnte sie teilweise gar nicht hören. „Antworte ihr doch!“, sagte mein Mann mit sanfter Stimme. „Antworte du ihr doch! Du kennst meine Daten!“ Ich war in dem Stadion schon etwas mürrisch, einfach fertig. Es ging alles so schnell. Bald gingen die Wehen aber erst so richtig los. Trotz Schmerzen fühlte ich mich wie im Delirium. Da muss ich durch, sagte ich mir immer. Ich schaffe das. Ich kann nicht mehr. Nein, ich schaffe das. Ich spüre mein Baby nicht. „Super machst du das!“ „Genau, weiter so!“ „Super Schatz!“ „Du kannst das!“ Mein Mann wiederholte diese Sätze hunderte Male. „Weiteratmen!“ „Pressen!“ „Die nächste Wehe atmest du aus!“ „Super!“ „Ich sehe schon die Haare!“ „Gut machst du das!“ „Fester!“ „Nicht nachlassen!“ Die Lieblingssätze der Hebamme. Und plötzlich war alles vorbei. Es fühlte sich an wie ein „Plops“. Sekunden später legte mir die Hebamme ein kleines, schreiendes Baby unter meinen Krankenhauskittel auf die Brust. Der Moment meines Lebens. Wie sie da lag, auf mir, die dünnen Arme, die winzigen Finger, das wunderschöne Gesicht, die vielen dunklen Haare. Sie öffnete die Augen und sah mich an und die Welt blieb stehen. Mein Mann drückte mir hundert Küsse auf die Stirn, Tränen liefen mir über die Wangen als ich unser Mädchen, unser kleines süßes Mädchen zum ersten Mal geküsst habe. Alles war vergessen, unser Wunder war da! Von da an erhielt alles einen Sinn, unser Leben einen Sinn. Unsere Liebe einen Sinn.

Zehn Monate später laufen mir bei diesen niedergeschriebenen Worten immer noch die Tränen über die Wangen, wenn ich an diesen einen, wunderbaren Moment denke. Jeden einzelnen Tag bin ich dankbar für unsere Tochter!

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