Ja, ich arbeite wieder!

Heute musste ich mich wieder ordentlich ärgern. Warum? Ich erzähle euch die Geschichte. Eigentlich wollte ich nur schnell noch ein Brot besorgen. Zoe, die sich in der Manduca an meinen Oberkörper gekuschelt hat, und ich betreten die kleine Bäckerei bei uns im Ort. Vor uns eine etwa Ende 30 Jahre alte Frau mit drei Kindern. Die Kinder um die 10, 5 und 3 Jahre alt. Die Dame bestellt recht ordentlich, Wurstsemmeln und Donuts gefühlt für die nächsten drei Wochen. Zoe und ich warten und schauen dem Ganzen zu. Dann betritt eine Bekannte von uns die Bäckerei. Wir haben uns nett unterhalten, in diesem kleinen Geschäft natürlich unter Zeugen. Zoe mitten im Geschehen in der Babytrage. Irgendwann fragt mich die Bekannte, wie der Wiedereinstieg in die Arbeit war und wie es uns denn geht. Ich erzähle erfreut, wie toll das alles funktioniert, dass meine Tochter jetzt dienstags immer bei der Oma ist und dass ich ab Anfang des Jahres wieder zu 50 Prozent arbeiten gehe. Die Mutter, die auf ihre Jahresbestellung wartet, dreht sich plötzlich zu uns um, schaut mich an, schaut mein Kind an und überdreht die Augen. Ich wusste sofort was sie denkt: „Junges Mädel (mit 26!), für was hat die denn ein Kind bekommen, wenn die gleich (nach 10 Monaten!) wieder arbeiten geht?“ Warum ich glaube, dass sie das denkt? Weil dieses Denken schon einige andere mir gegenüber ausgesprochen haben. Oder hinter meinem Rücken.

Mich ärgert es immer wieder, wenn ich mitbekomme, dass sich Leute über andere ein Urteil erlauben. Seitdem ich Mama bin passiert mir das noch öfter als vorher. Oder habe ich es vorher einfach nicht mitbekommen. „Die hat schon mit vier Monaten ihrer Tochter Beikost gegeben…“ „Die Tochter wird zu verhätschelt…“, „Die Zoe, die trinkt Saft, kein Wasser…“, „Die Zoe schläft immer noch mit ihren Eltern im Zimmer…“, und und und uuuunendlich… und jetzt natürlich „Die geht JETZT schon wieder arbeiten… das arme Kind!“ Natürlich hat jeder seine eigene Meinung, das ist auch ganz legitim. Aber muss man denn immer betonen, wie man es selber machen würde? Das man es ja ganz anders machen würde? Und natürlich, viel besser? Mir ist es ja auch egal, ob das Kind meiner Freundin im eigenen Zimmer schläft. Oder ob es gar im Elternbett schläft. Oder ob das Kind öfter mal bei der Oma schläft, damit die Eltern ausgehen können. Oder ob die eine Mama die längste Karenz in Anspruch nimmt. Oder ob diese Mutter mit ihren 3 Kindern je wieder arbeiten wird oder nicht. Mir ist es schlichtweg egal, denn jede Mama macht es so, wie es für sie und ihre Familie am besten passt. Und unser „armes Kind“ hat ja schließlich eine „harte Zeit“, wenn es dienstags bei ihrer Oma ist. Und ab Jänner wird es noch schlimmer für unser Kind, denn dann muss sie einen ganzen Tag in der Woche mit ihrem Papa alleine verbringen. ALLEINE! Und einen halben Tag bei der Tagesmutter, die natürlich eine alte Hexe ist. Manchmal frage ich mich wirklich, ob die Leute keine eigenen Probleme haben.

Aber etwas erfreuliches habe ich in diesem Zusammenhang auch erleben dürfen: die Firmen-Weihnachtsfeier am vergangenen Montag. Dort traf ich alle, die ich bis jetzt an meinen fünf-Stunden-Dienstag noch nicht treffen konnte. Unter anderem auch andere Mütter, die wieder arbeiten. Ich weiß: DIE ARMEN KINDER!! 🙂

 

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7 Gedanken zu “Ja, ich arbeite wieder!

  1. Mario Schreier schreibt:

    Hey und vielen lieben Dank für den tollen Beitrag. So ein bisschen bekannt kommt es mir vor. Meine Freundin geht seit 01.12. (nach einem Jahr Elternzeit) wieder arbeiten. Sie musste sich aus Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis tatsächlich anhören, dass Sie dadurch eine schlechte Mutter wäre und und und. Aber naja. Unser kleiner ist super aufgehoben und fühlt sich wohl in der Tagespflege. Alles perfekt.

    Liebe Grüße

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    • mamavonzoe schreibt:

      Ja auch Kolleginnen von mir haben das bestätigt, das viele sich so etwas anhören mussten. Einfach immer drüber stehen, auch wenn es ärgerlich ist. Diese Reaktionen wird es immer geben. Das wir Mütter aber wirklich nur das Beste für unsere Kiddies wollen, das denken die nicht. Danke für dein Kommentar und liebe Grüße an deine Freundin! 😉

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  2. Nadja schreibt:

    Hi!!
    Ja, mit sowas hat man immer öfter zutun…aber ärgere dich nicht…so sind die Leute halt!
    Ich hör immer öfter: „Ach, du bist momentan Hausfrau und arbeitest noch nicht wieder im alten Job?? Der Kleine ist ja eh schon groß! Du hast doch studiert und jetzt bist du Hausfrau??“ Blablabla!
    Naja, der Kleine ist 14 Monate und fad ist mir ganz und gar nicht und wann ich wieder anfange zu arbeiten ist ja meine Sache! Aber dazu muss ja auch immer jeder seinen Senf abgeben! Also wie du siehst…die Leuten finden es blöd wenn du arbeiten gehst und sie finden es blöd wenn jemand „nur“ Hausfrau ist. Ganz egal wie man es macht, es wird bemeckert!
    Zum Glück ist es nicht mein Problem, was andere Leute über mich denken, oder?? 😉

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    • mamavonzoe schreibt:

      Liebe Nadja, danke für dein Kommentar! Das stimmt, ganz egal wie man es macht, irgendwas wird immer bemeckert. Hauptsache für uns ist es die richtige Entscheidung! Viele Bussis nach Kärnten!

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  3. maramarin21 schreibt:

    Ich finde auch, dass das jede Mutter selbst entscheiden sollte. Wenn sie sich mit ihrer Entscheidung gut fühlt, ist es richtig. Schlimm ist in der Tat der Rechtfertigungsdruck aller Frauen, egal, was sie machen. Früher, vor dem Kind, musste man sich doch auch nicht für jeden Schritt rechtfertigen.

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  4. zauberstaub schreibt:

    Und womöglich hast du sogar noch Spaß bei der Arbeit???? Unverschämt! :-p ist doch gut, dass wir heut in der Lage sind, selbst zu entscheiden, ob, wann, wieviel wir wieder arbeiten. Und wie in den vorherigen Kommentaren schon erwähnt: würdest du 2 oder gar 3 Jahre daheim bleiben, wär’s auch nicht recht! 😉 einfach ignorieren.

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