Es reicht.

Meine Tochter und ich waren heute morgen spazieren. Nach einer Nacht, die wirklich besser hätte sein können. Doch nach den gestrigen Ereignissen in München ist das alles nebensächlich. Wir haben die kleinen Mädchen getroffen, die wir oft am Spielplatz sehen. Heute waren sie zusammen mit der Oma da, die alle Hände voll zu tun hatte mit ihren drei Enkeln. Die Große fehlte, das fiel mir sofort auf. Normalerweise ist sie es, die auf ihre kleinen Schwestern aufpasst, in zweier Reihe zum Spielplatz kommt, damit alle zusammen bleiben. Wirklich süß sieht das aus, weshalb ich das zwölfjährige Mädchen auch stets lobe. Und danach ist sie eine noch viel stolzere Babysitterin als zuvor. „Wo ist denn heute eure große Schwester?“ Auf diese Frage hin meinte die Oma nur, dass sie heute nicht rauskommen will. Sie habe zu viel Angst.

Und da war sie wieder, die Gänsehaut, die mir trotz angenehmer Sommertemperaturen aufstieg. Sie hatte die Nachrichten gestern mit ihren Eltern mitverfolgt, wie bestimmt unzählige andere Kinder auch. Klar, es geschah am frühen Abend, das bekommt man mit, zumal ein 12-jähriges Kind freitags in den Ferien auch nicht um sieben Uhr schlafen geht. Die Oma erzählte mir, dass auch der Vater der vier Kinder beruflich viel in München zu tun hat, die Große auch schon des öfteren mit war. So weit ist die Stadt auch nicht entfernt von uns, denn auch wir waren alle schon dort. Die Angst ist da, mit der muss das Mädchen jetzt leider leben lernen, so wie Millionen andere Kinder auch. Erschreckend.

Jetzt ist es also so weit, dass sich unsere Kinder fürchten. Vor der Welt, vor den Nachbarländern, vor dem Unbekannten, das jederzeit an jedem Ort passieren kann. Ist das wirklich das Ziel dieser Menschen? Eine Welt voller Angst und Schrecken zu kreieren? Unseren Kindern ein Stückchen der Kindheit zu nehmen, indem sie so klein sich mit solchen Ängsten auseinander setzen müssen? Schrecklich, mir fehlen die Worte. Ich bin Mutter eines Kleinkindes. Mir bleibt das bis dato noch ersparrt. Keine Erklärungen sind notwendig, denn die Maus versteht es noch nicht wie und was in der Welt passiert. Doch irgendwann wird auch sie es verstehen. Wie geht man als Elternteil am besten damit um? Offen reden, klar. Die Tatsachen nicht beschönigen, ehrlich sein. Doch damit legt sich doch auch nicht die Angst.

Die Angst vor der realen Welt, die erleben fast alle Kinder circa ab dem neunten Lebensjahr. Angst vor Gewalt, vor Tod, vor Unfällen – das ist nicht zu vermeiden. Vor allem dadurch nicht, dass Kinder es auch in den Medien sehen, und sei es bloß in der Tageszeitung der Eltern. Während die meisten Kleinkinder unter Trennungsangst, Angst vor Dunkelheit, Gewissensangst oder auch beispielsweise unter Angst vor einem Liebesverlust leiden, müssen die größeren Kinder mit ganz anderen Ängsten klarkommen. Und zwar jene, die sie aus der Umwelt wahrnehmen. (Quelle: Angst bei Kinder) Das ist immer schon so gewesen. Doch waren wir bis dato auch in einer halbwegs friedvollen Umwelt und einem halbwegs sicheren Europa. Je schlimmer die Gegebenheiten werden, umso schlimmer ist die Angst, mit denen die Kinder leben müssen. Ein „bei uns passiert so etwas nicht“ funktioniert nur mehr schwer. Jetzt möchte ich mir nicht vorstellen müssen unter welcher Angst die Familien und vor allem die Kinder in München weiterleben müssen. Oder in den anderen Städten, in denen bereits etwas passierte. Oder die Menschen, die nach der Axtattacke in Würzburg wieder in einen Regionalzug steigen mussten, weil sie nur so zur Arbeit kommen. Natürlich, so darf man gar nicht denken. Das tue ich auch nicht, wenn ich draußen unterwegs bin. Doch was, wenn unsere Kinder so denken? Oder gar, wenn sie mit so einer Angst groß werden müssen? Ich will es mir nicht vorstellen.

 

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