„Du bist so peinlich!“

Niemals, und ich meine auch niemals, darf dieser Spruch über die Lippen einer Mutter über ihr Kind kommen. Kinder sind Kinder und höchstens süß oder verwöhnt, aber keineswegs peinlich. Und jedes von ihnen ist eine eigene kleine Persönlichkeit, mit eigenen Gefühlen und einem eigenen wachsenden Charakter. Und einen solchen Spruch seinem Kind an den Kopf zu werfen, das erstens gar nicht versteht, was das Wort „peinlich“ bedeutet, und zweitens damit massiv das Urvertrauen in die Mama, die einen ja immer lieb haben sollte, egal was ist, stören kann, gehört in keinerlei Erziehungsmaßnahmen. Möge sich das Kind noch so benehmen. Kinder sind nicht peinlich – höchstens die Eltern, die das denken!

Auch mein Kind geht durch die Trotzphase, so wie jedes andere auch. Das eine mehr, das andere weniger. Mütter verstehen einander dabei nur zu gut. So kommt auch ab und an vor, dass sich mein Kind – wie heute bei DM – bauchlings auf den Boden wirft, schreit und mit den Füßen in den Boden tritt. Wir können den Kindereinkaufswagen nicht mit nach Hause nehmen, ist halt so! Da kann das Kind auf dem Boden liegen wie es will. Und laut sein, so viel es mag. Doch peinlich ist mir das keineswegs, auch wenn die Blicke zu uns wandern. Jeder halbwegs normale Mensch weiß, dass auch Kinder einige Macken haben, genauso wie wir Erwachsenen auch. Und das Kind gerne ausprobieren, wie weit sie gehen dürfen. Ich habe da mittlerweile eine Art „Hornhaut“ entwickelt, Scham kann da überhaupt gar nicht aufkommen, denn das ist ihre Art sich auszudrücken, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht. Natürlich bitte ich sie aufzustehen und sich zu beruhigen, denn der Einkaufswagen bleibt schließlich hier, den können wir das nächste Mal wieder verwenden. Doch wenn sie länger braucht, das zu verstehen, dann ist das eben so. Dann hilft sie eben mit beim Boden putzen solange sie „ausspinnt“. Solange keine Gefahr besteht, dass sie sich weh tut oder sonst was, ich habe Zeit.

Das ist nur eine von vielen Situationen, die einer Mama nicht peinlich sein müssen. Und schon gar nicht dürfen ihnen die eigenen Kinder peinlich sein, weder die Kleinen, noch die Großen. Individualität muss sich entfalten, ob klein, ob groß. Wenn nicht wären wir alle gleich, würden die gleichen Verhaltensweißen haben, denselben Charakter, dasselbe Aussehen. Peinlichkeit oder Scham für die eigenen Kinder zu empfinden und ihnen das auch noch vorzuwerfen könnte die Entwicklung der Persönlichkeit beeinträchtigen oder gar das Sebstbewusstsein stören. Die Kleinsten inbegriffen, denn da fangt es schließlich an. Und das heißt nicht, dass ich begeistert bin von solchen Aktionen, die mein Kind manchmal in aller Öffentlichkeit abzieht – doch da muss man durch – sie und ich, gemeinsam. Und das wird sich, wie bei allen Eltern, weiterziehen vom Kindergartenalter, über das Teenie-Dasein bishin zum Erwachsen werden. Von allem werde ich in Zukunft auch nicht begeistert sein, was meine Tochter tut oder wie sie sich verhalten wird. Doch eines weiß ich sicher: sie wird mir nie peinlich sein!

6 Gedanken zu “„Du bist so peinlich!“

  1. Antonia schreibt:

    Ich gebe dir vollkommen Recht! Sagen darf man das nie, denn das beleidigt die ganze Person und entwürdigt das Kind. Trotzdem schäme ich mich oft für mein Kind. Wir sind gerade in so einer Phase, in der der Sohn die Nachbarn beleidigt, anmaßend ist und ständig schreit, dass er sie erschiessen will. Im nächsten Augenblick fordert er Kekse. Für mich ist das immer wieder eine Herausforderung. Er weiß ja noch nicht, was er sagt. Ich hoffe, die Phase geht bald vorüber.

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