Woche sechs in der Krabbelgruppe, oder: Hilfe, mein Kind beisst!

Fünf Wochen liegen bereits hinter uns, die Eingewöhnung ist abgeschlossen. Die Krabbelgruppe, ein großer Meilenstein im Leben unserer Tochter. Bereits nach einer Woche hat sie gerne dort zu Mittag gegessen, nach drei Wochen ging sie auch gerne mit den anderen Kindern schlafen. Sie fühlt sich wohl da, mag die Pädagoginnen, mag die Kinder. Sie hat Spaß dort, lacht sich oft schlapp, macht bei allen Aktivitäten freudig mit. Stolz, wenn man diesen Erzählungen der Pädagoginnen lauscht.

Es klingt zu schön, um wahr zu sein, ich weiß. Doch es ist wahr, jedes einzelne Wort. Doch auch wenn es noch so lustig mit den Kindern ist, die Laune kann sich schlagartig ändern, bei meiner Tochter zumindest. Und das Wort „schlagartig“ passt hier genau. Passt ihr etwas nicht in den Kram oder findet das in dem Moment doof, dann haut sie. Oder beisst. Und das, seitdem sie in der Kinderbetreuung ist, davor war das kein Thema bei uns. Es gab kein Hauen, es gab kein Beissen – egal wie launisch oder böse sie war. Natürlich gibt man hierfür gleich den anderen Kindern die Schuld: „Das sieht sie bei den Anderen“ oder „Das macht sie ihnen nach“, bei diesen Sätzen habe ich mich bereits des öfteren ertappt, wohl wissend, dass mein Kind auch kein Kind von Traurigkeit ist. Nicht mehr, zumindest. Anfangs hatte sie ein paar Kratzer im Gesicht, von einem Jungen in ihrer Gruppe. Dass das alles immer ganz schnell geht und die Pädagoginnen nicht immer gleich direkt daneben sind, ist auch verständlich. So wird Zoe in den letzten Wochen noch temperamentvoller, will sich noch mehr behaupten, wenn es ihr eben in den Sinn kommt. Sie will „ihr“ Spielzeug verteidigen, will es für sich haben, auch wenn es in der Kinderbetreuung der Allgemeinheit gehört. Sie will Aufmerksamkeit. Und so wehrt sie sich gegen ihre Gegner.

Ursachen. Nein, bei uns Zuhause gibt es kein Beissen und kein Hauen, wir leben alle im friedlichen Miteinander. Aggression ist kein Thema, es wird weder herum gebrüllt noch werden Türen geknallt. An der Familie kann es also nicht liegen. Spielerische Aggressionen hat natürlich jedes Kind ab und an, ist auch alles ganz normal und halb so wild. Oder ein Ärgern über sich selbst, wenn beispielsweise das Schuhe anziehen nicht so klappt, wie es klappen sollte. Trotzen, weil sie sich unverstanden fühlen und es nicht anders zum Ausdruck bringen können. All das wäre ja nicht schlimm, doch mit Absicht hauen und beissen ist trotzdem nicht in Ordnung.

Reden. Seit ein paar Wochen rede ich mir den Mund fusselig. „Du darfst nicht hauen!“ „Hauen ist nicht schön!“ „Das tut weh!“ „Das andere Kind muss weinen, wenn du ihm weh tust.“ So rennt sie Zuhause umher und sagt gefühlte 50 Mal am Tag, dass sie nicht hauen darf. Sie weiß es, ob sie es versteht wage ich noch zu beweifeln. Nicht umsonst hat sie ihren Freund bereits drei Mal gebissen, obwohl dieser danach immer wieder unglaublich geweint hat. Danach streichelt sie ihm, seine Bisswunde, sagt „Beissen, dann weinen!“ – und doch, tut sie es wieder. Und ich rede, rede und rede mit ihr. Streng. Und ihr dabei in die Augen blickend. Und sie gibt mir bei allem recht, was ich sage. Tut, als würde sie es verstehen. Aber es passiert wieder.

Konsequenzen. Auch die gab es bereits. In die Ecke sitzen, erklärend, dass das Verhalten nicht gut ist. Als ich sie das letzte Mal in der Ecke sitzen hab lassen, hat sie unglaublich geweint. Und es tat ihr auch unheimlich leid. Und doch ist es das nächste Mal wieder passiert. Es hat noch nicht gefruchtet, ich hoffe das tut es bald. Hoffentlich auch bei den anderen Kindern in der Krabbelgruppe, damit die restlichen gar nicht erst in Versuchung geraten sich auch behaupten zu müssen.

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