Happy peppy Elternschaft

Es ist kurz nach sieben Uhr Abend. Mein Mann und ich geben unserer Tochter einen Gute-Nacht-Kuss, legen sie in ihr Bettchen und schleichen uns leise aus dem Kinderzimmer. Den Feierabend genießen wir beide als Paar gemeinsam im Wohnzimmer, tauschen uns über die Geschehnisse des Tages aus. Vor dem Schlafen gehen werfen wir noch einen Blick ins Kinderzimmer, wo unsere Tochter friedlich schlummert, und das bis zum nächsten Morgen.

Man darf ja noch träumen, oder? Das ist einer der unzähligen Mythen über die Elternschaft, die in Filmen so toll aussieht, in der Realität aber doch etwas anders kommt. Abendliche (und auch mittägliche) Einschlafbegleitung, danach grobe Haushalts-Chaosbeseitigung und – wenn das Kind zu der Zeit dann immer noch friedlich im Bett schläft – geht es dann entweder gleich direkt ab ins Bett, oder noch kurz ins Wohnzimmer zum Fernseher, iPad oder Buch, wissend es morgen Früh zu bereuen, wenn das gemeinsame Kind doch wieder Mal zwei Stunden bevor es hell wird aufstehen will. Leider wahr.

Eltern sein ist wunderschön, das könnt ihr mit Sicherheit alle unterschreiben. Doch ist nicht immer alles happy peppy, so wie man es im Film sieht oder bei so manchen Eltern auf ihren Instagram-Profilen. In Wahrheit ist es alles andere als das, denn Eltern sein verlangt so einiges ab, und das zu jeder Tages- und Nachtzeit. In den ersten Lebensjahren sogar so viel, dass die Partnerschaft und man selbst oftmals viel zu kurz kommt. Entwicklungsschübe, Trotzphase, Krankheiten, Vereinbarkeit der Arbeit und Kinderbetreuung, Schlafmangel – all das ist part of the game – Bestandteile des Elterndaseins, die uns keiner abnehmen kann und mit denen wir fertig werden müssen. Und all das beschert uns auch mal weniger gute Tage, an denen wir nicht abends geduldig am Gitterbett sitzen bis das Kind friedlich schläft. Nein, es gibt auch die Tage, an denen man sich dieser Geduldsprobe gar nicht erst stellen möchte, das Kind ohne Diskussion mitfernsehen lässt bis es von selbst einschläft, um selbst auch eine Ausrede zu haben nicht den Haushalt erledigen zu können. Oder die Tage, an denen man das iPad am Tisch plaziert, damit man gemeinsam mit dem Kind seelenruhig das Mittagessen genießen kann, während die Lieblingskinderserie läuft. Oder die Tage, an denen Zuhause Anarchie herrschft, weil die Kraft einfach nicht da ist alles unter Kontrolle zu haben. Es gibt Tage, an denen verliert man als Elternteil die Nerven, und wenn auch nur unabsichtlich der Fruchtzwerg auf dem Boden landet – es gibt diese Tage. Und das ist auch alles ganz normal.

Weg mit all den Filtern, happy Family-Selfies und allem was dazu gehört. Machen wir uns und den noch werdenden Eltern nichts vor: Eltern sein ist der wunderschönste und zugleich anstrengendste Job der Welt, den man sich nur vorstellen kann – mit einer Palette an Hochs und Tiefs inbegriffen. Deshalb: Ein Hoch auf uns Eltern, die wir trotz aller Anstrengungen mit niemanden im Leben tauschen würden, denn der Preis ist einfach unbezahlbar! Und all ihr Single-Moms und Dads da draußen, ihr seid echte Helden!

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