Lieber etwas verwöhnt, dafür aber zufrieden

Haben Euch auch schon einige Personen vorgeworfen, dass Euer Kind verwöhnt wäre? Mir bereits desöfteren. Spoiled, so bezeichnet mein Mann sie ab und an. Wenn sich Madame auf den Boden wirft, weil nach einer Folge Sandmann Sense ist, zum Beispiel. Oder wenn sie laut zu schreien und weinen beginnt, wenn sie keine Kekse bekommt. Manchmal bekommt sie dann doch noch einen, natürlich. Und manchmal, da läuft eben dann noch eine Folge Sandmann. Das Kind ist dann glücklich, und ich bin es auch. Beim dritten Versuch heißt es dann doch „Nein“, was meistens auch akzeptiert wird. Und wenn nicht, dann geht der Gefühlsausbruch eben von vorne los.

Verwöhnt? Man nennt das Trotzphase! Kinder probieren aus. Sie testen aus. Was sind die Grenzen und was kann man sich eventuell noch rausholen, was einem gut tun würde? Auf den Boden werfen und der Müsliriegel landet vielleicht doch im Einkaufswagen. Schlau eigentlich, wie sie das so anstellen versuchen. Ja fast taktisch. So schnell aufgeben und das „Nein“ sofort zu akzepieren, wäre nicht Kinder-like. Und muss der Müsliriegel dann doch im Regal bleiben, obwohl das Kind auf dem Bauch robbend das Geschäft lauthals geputzt hat, dann war es eben einen Versuch wert. Doch sind sie deswegen verwöhnt? Ich finde nicht!

Sie sind Kinder, und Kinder müssen alles von der Wiege auf erlernen. So auch wie es sich anfühlt, wenn sie etwas nicht haben können. Mit Gefühlen umgehen zu lernen ist gar nicht so ohne, vor allem für die kleinen Zwerge. Auch hierbei brauchen sie Geduld und Unterstützung. Wirft sich meine Tochter im Supermarkt auf dem Boden, beginne ich nicht zu schimpfen oder böse zu werden, damit mein Kind sich noch mehr ärgert. Nein. Viel mehr braucht sie eine liebende Umarmung, um getröstet zu werden, weil sie den Müsliriegel nicht haben kann. Und dann, wenn sie wieder ansprechbar ist, kann ich ihr erklären, warum wir den Müsliriegel nicht kaufen. Das versteht sie viel mehr als mit ihr zu schimpfen, wenn sie wütend oder traurig ist. Und wenn sie es beim nächsten Mal wieder macht, dann ist es eben so. Kinder-like, na und?

Wir sind spazieren. Mit Kinderwagen. Nach einer Zeit will meine Tochter aus dem Wagen raus, nach wenigen Schritten hat sie keine Lust mehr und möchte getragen werden. Wagen oder zu Fuß, zwei Ultimaten. Beides entspricht nicht der Vorstellung meines Kindes. Ich also liebevoll erklärend, im Wagen sei es viel angenehmer, während sie sich streubt davor wieder reinzuklettern. Irgendwann gebe ich nach mit dem Kompromiss da vorne an der Bank dann aber wieder im Kinderwagen Platz zu nehmen. Und es funktioniert, auch wenn wir an der übernächsten Bank wieder einen Wechsel machen müssen. Verwöhnt? Kompromissbereit würde ich sagen. Und wir beide sind zufrieden gestellt.

Zeit ins Bett zu gehen. In ihr Bettchen will sie heute partout nicht. Jetzt habe ich die Wahl: eine Stunde Einschlafbegleitung mit Gefühlsausbrüchen jeglicher Art oder ab ins Familienbett, wo sie binnen Minuten seelenruhig einschläft. Ich entscheide mich ohne Nachzudenken für Zweiteres. Das Kind ist happy, wir Eltern auch. Und wenn sie mal eingeschlafen ist könn(t)en wir sie immer noch in ihr Bettchen legen. Verwöhnen wir sie etwa? Ein bisschen vielleicht – na und? Habe ich mein Kind etwa bekommen, um dann nicht ihren Bedürfnissen nachkommen zu dürfen? Wohl kaum…Für mein glückliches und zufriedenes Kind nehme ich das bisschen geborgenes Verwöhnen gerne in Kauf.

 

3 Gedanken zu “Lieber etwas verwöhnt, dafür aber zufrieden

  1. hemipareseblog schreibt:

    Ich kenne jede der von Dir beschriebenen Situationen und verhalte mich großteils ganz genau wie Du. Die Kommentare zum Verwöhnen bekomme ich auch, allerdings meist von kinderlosen Bekannten, die dann versuchen, an dem armen Kind ein Exempel zu statuieren, was meist desaströs endet und mich unendlich annervt. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen mein Prinzchen es dann doch zu weit treibt und die Trotzattacke außer Kontrolle gerät. Das sind dann die Momente, in denen ich meine Erziehung/Begleitung in Frage stelle…oder mein Nervenkostüm…

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    • mamavonzoe schreibt:

      Schön zu wissen, dass ich da nicht alleine bin. Und du hast recht, oftmals kommen diese Kommentare von den kinderlosen Bekannten, die glauben man schade dem Kind, wenn man ihm zu viel Liebe und Verständnis entgegenbringt. Keine Sorge, auch bei uns gerät ein Trotzanfall manchmal außer Kontrolle, aber sonst wären sie ja keine Kinder, wenn das nicht auch passieren würde. Und wir keine Mütter, wenn wir nicht manchmal die Nerven verlieren würden 😉 Ganz liebe Grüße!!

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