Zwei Jahre als Mama

In elf Tagen ist es so weit: meine Tochter wird zwei Jahre alt. Kaum zu glauben, dass in den letzten beiden Jahren aus diesem kleinen 47cm großen wunderschönen Baby ein großes Mädchen geworden ist. Mein großes Mädchen, das mich stolzer nicht machen könnte. So wie die Maus sich seit ihrer Geburt entwickelt hat, so tat auch ich es, denn sie machte mich zur Mama, der wunderschönsten und zugleich herausforderndsten Aufgabe, die es in meinem Leben je geben wird.

Motherhood unplugged. Einer meiner Lieblings-Hashtags seitdem ich Mama bin. Denn so wunderschön es auch ist, so anstrengend ist es auch ein Kind zu haben. Keine Frage, am Ende überwiegen die tollen Momente, die einem vor Freude die Tränen in die Augen treiben. Das erste Lächeln, das erste Brabbeln, die ersten Essversuche, die ersten Schritte, die ersten Worte, das erste „Ich hab‘ dich lieb, Mama!“ – die Liste ist unendlich lang, und gehen oft einher mit etwas eher anderen Situationen. Trotzphasen, Krankheiten, Zahnen, Unwohlsein, Eifersucht, Entwicklungsschübe, alles die Dinge, die jedes Kind durchlebt und somit jede Mama (und natürlich auch der Papa) überstehen muss.

Alles halb so wild, klar. Jeder muss da durch, da geht es allen Mamis ähnlich. Doch nichtsdestotrotz kann es auch ganz schön an den Nerven und dem Befinden zerren, vor allem wenn nebenbei noch gearbeitet wird und auch Zuhause alles funktionieren soll. Von einem weiteren Geschwisterchen ganz zu schweigen. Mit wenigen Stunden Schlaf auskommen ist da nur eines der Themen, die mich seit den letzten beiden Jahren begleiten. Vom Durchschlafen wird mittlerweile nicht mal mehr geträumt, was aber auch gar nicht mehr stört. Alles eine Sache der Gewohnheit. Ebenso die nicht perfekte Haushaltsführung, denn Staubsaugen und Boden zu wischen wenn das Kind Zuhause ist wäre gleichzusetzen mit Zähne putzen während man einen Schokoladenikolaus verdrückt. Haushalt im Schnelldurchlauf, so lautet die Devise: abends, wenn das Kind schläft wird binnen 30 Minuten alles erledigt, was dringend erledigt werden muss. Der Rest am nächsten Tag in den zehn Minuten, bevor der Besuch kommt. Das Bügeleisen, das vor gut zwei Jahren das zeitliche gesegnet hat, wurde gar nicht erst ersetzt. Dafür fehlte nicht nur die Muse, sondern auch die Zeit.

Thema Zeitverschwendung, etwas, dass sich Mütter eigentlich nur schwer erlauben dürfen. Sich hinzusetzen, alleine Kaffe zu trinken und dabei ein Magazin durchzublättern wo man sich im Nachhinein nur die Bilder angesehen hat. Geht nicht, gibt’s nicht. Und wenn, dann schläft man wegen Schlafmangels für gewöhnlich selbst dabei ein. Apropos Einschlafen, da kenne ich gar keine Probleme mehr. In jeder Position, innerhalb einer Minute, egal wie der Mond steht, egal wie die Lautstärke daneben. So auch beim Essen: im Sitzen, im Stehen, im Liegen, egal was. Und egal wann. Alles, was irgendwie vor die Nase kommt und das Kind nicht will, das steht der Mama zu. Ob bereits abgeleckt oder nicht, darüber wird gar nicht nachgedacht. Ich höre noch meine Worte als ich damals sagte ich werde nie das essen, was mein Kind bereits im Mund hatte. Mittlerweile macht das sogar der Papa, ohne, dass es ihm dabei auffällt.

Wir Mamas sind abgehärtet. Gegen Bazillen, gegen Über-Lautstärke, gegen Chaos, gegen Stress, gegen blödes Gerede, gegen alles, was einem vorher irgendwie unwohl fühlen ließ. Seitdem ich Mama bin habe ich ein hartes Gerüst entwickelt, gesundheitlich wie auch gesellschaftlich. Nicht alles fällt einem auf, ebenso wenig wie nicht alles gefallen muss, dafür ist die Zeit zu kostbar.

An die eigenen Grenzen zu gehen, ein Thema, das mich immer wieder eingeholt hat: Belastungsproben, wenn das Kind wieder mal bis Mitternacht nicht freiwillig ins Bett gehen wollte, es zum x-ten Mal am Tag alles aus dem Kleiderschrank rausgeworfen hat oder es sich partout nicht anziehen lassen wollte obwohl wir bereits seit zehn Minuten das Haus hätten verlassen müssen. Wenn dann die eigene Laune vielleicht noch von der Arbeit zuvor etwas angeschlagen ist, war ein perfekter Abend vorprogrammiert.

Beziehungsproben, auch nicht zu vergessen. Aus einem Paar wurden Eltern, damit einher gehen neben den schönen Stunden mit dem Sprössling auch Erziehungsunstimmigkeiten, zu wenig Zeit für die Familie, zu wenig Zweisamkeit, zu wenig Aufmerksamkeit. Alles Dinge, die am Ende unsere Partnerschaft auf eine neue Ebene gebracht haben und uns wachsen ließen, weil wir uns immer aufs Neue dafür angestrengt haben. Das ist keine Selbstverständlichkeit, denn ohne ein Zutun beiderseits kann es als Eltern nicht funktionieren.

Ausgeh-Zeiten, die minimieren sich für gewöhnlich, vor allem für die frisch gebackenen Mamis. Wo ich das erste Jahr fast immer bei der Maus zuhause war, damit ich auch nichts verpassen konnte, so war ich im zweiten Jahr dafür das ein oder andere Mal wieder gerne und lang unterwegs. Man wächst mit der Aufgabe, so auch mit dem Bewusstsein, dass man auch etwas Zeit für sich braucht, wenn es einem gut gehen soll. Egal ob das jetzt Laufrunden, Arbeitszeit oder Partynächte sind, all das brauchen auch die Mamis. Und dieses Gefühl wenn man nach Hause kommt und überglücklich vom Kind empfangen wird, egal zu welcher Tages- und Nachtzeit (ja auch Mitten in der Nacht!), genau dieses Gefühl ist es, dass einem wieder daran erinnert, wie wunderschön es ist eine Mama zu sein. Eine Lebensaufgabe, ganz klar – aber die wunderschönste, die es gibt. Ich bin unglaublich dankbar, diese Aufgabe bereits zwei Jahre meistern zu dürfen.

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