Mutterängste

Meine Zweijährige wollte sich heute Mittag mit mir ins große Bett kuscheln. Gesagt, getan. Nach unseren Anfangsblödeleien war die Maus dann wirklich müde. Sie legte ihren kleinen Arm um meinen Hals, drückte ihre Stirn auf meine Wange und binnen Sekunden schlief sie ein. Überglücklich genoss ich die Nähe meines kleinen, wunderbaren Mädchens, das da so friedlich an mir kuschelnd schlief. Doch ganz schnell wurden meine Glücksgefühle von ganz anderen Gedanken verdrängt…

Ich wünschte jedes Kind auf dieser Welt wird mit so viel Liebe überschüttet. Doch nicht jedes Kind auf dieser Welt hat überhaupt eine Mutter und einer Vater. Und nicht jede Mutter und jeder Vater sind gesund. Ebenso wie nicht jede Mutter auf dieser Welt ein gesundes Kind in ihren Armen halten darf. Oder ihrem Kind genügend zu essen geben kann. Oder eben wie wir hier zusammen in einem kuscheligen Bett ein friedliches Mittagsschläfchen halten darf. Auch ist es nicht allen Menschen vergönnt Eltern zu werden. Manchen Menschen wird sogar verwehrt ein langes Leben führen zu dürfen, mit wunderbaren Freundschaften und Partnerschaften, in Gesundheit und Frieden.

Neben all dem Wunderbaren auf dieser Welt, gibt es leider auch so viel Leid, das so vielen Menschen nicht erspart bleibt. Krankheiten, Schicksalsschläge oder auch Armut kann jeden treffen, wie aus dem Nichts. Dann ist da noch der Krieg und der Terror, der leider unbesiegbar scheint und dem so viele unschuldige Menschen ausgeliefert sind, Tag für Tag. Sind wir uns dem allen bewusst? Jeden einzelnen Tag? Bewusst, wie gut es uns eigentlich geht? Auch wenn ich in einer Nachrichtenredaktion arbeite, wirklich bewusst bin ich mir dem im Alltag nicht immer. Die Arbeit, das Kind, der Partner, der Haushalt, der Freizeitstress, all das lässt mich dieses Bewusstsein gerne vergessen. Der Urlaub ist noch immer nicht gebucht, zum Schuhe kaufen war auch noch keine Zeit. Ein Mädelsabend ist in den nächsten Wochen auch schwierig hinzukriegen. Mit solchen „Problemen“ gehe ich oftmals durch die Welt, die zu mir und meiner Familie so gut ist, im Gegensatz zu so vielen anderen. Die vergangenen Tage bin ich mir all dem wieder umso mehr bewusst. Denn kein Geld der Welt kann uns Gesundheit und ein friedvolles Leben mit unseren Familien kaufen. Ebenso keine Schuhe und keine Mädelsabende. Das sind keine Probleme, wirklich nicht.

Ich schaute nach meiner Tochter, deren süße Locken sich durch mein Ausatmen bewegten. Ach würde uns doch nur jemand so fotografieren können, wie wir hier kuschelten, ich mit Tränen in den Augen. Tränen der Dankbarkeit, für all das was ich habe, und zugleich der Trauer, für all die Menschen, die nicht so viel Glück erfahren dürfen. Und der Angst vor dem, was vielleicht noch kommen kann.

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