Bedürfnisorientierte Erziehung

Eltern, die ihre Kinder komplett bedürfnisorientiert (oder auch bindungsorientiert) erziehen, sind meine absoluten Vorbilder. In den letzten Monaten habe ich mich immer mehr mit „Attachment Parenting“ beschäftigt, einer Methode bei der man das Kind ausschließlich mit Liebe und Nähe erzieht, die beiden Komponenten, die ein riesiges Sicherheitsgefühl beim Kind erzeugen. Die Bedürfnisse des Kindes stehen im Vordergrund. Nun mag man sagen, dass das bei jeder Erziehung der Fall ist – und ja, so ist es auch. Doch beim attachment parenting wird sich noch mehr darauf fokussiert, und in allen Situationen des Alltags danach gehandelt.

Die acht Prinzipien der Erziehung nach API:

  • Vorbereitung
    Wappnen Sie sich für die Schwangerschaft, die Geburt und die erste Zeit mit Kind mit Informationen und bereiten Sie sich emotional und körperlich auf das vor, was vor Ihnen liegt.
  • Füttern
    Das Füttern Ihres Babys spollte über das einfache Bereitstellen von Nahrung hinausgehen. Füttern wird als Akt der Liebe angesehen. Es befriedigt sowohl die körperlichen als auch die emotionalen Bedürfnisse Ihres Kindes. Das betrifft das Stillen ebenso wie das Füttern mit der Flasche.
  • Reaktion
    Anstatt zu glauben, dass Babys sich selbst beruhigen, zeigen bedürfnisorientierte Eltern eine stetige, ruhige und liebevolle Reaktion.
  • Berührungen
    Dieses Prinzip spielt darauf an, dass körperlicher Kontakt ein emotionales Bedürfnis ist. Das umfasst das Berühren der Haut, das Tragen des Babys (in einem Tragetuch oder einer Babytrage), sowie Umarmungen und Kuscheln, wenn Ihr Kind größer ist.
  • Sicherer Schlaf
    Das Babybett im Elternschlafzimmer oder das Schlafen im Familienbett sind gern angewandte Methoden, um die Verbindung zu stärken und dem Baby ein sicheres Gefühl zu verschaffen. Ungeachtet dessen, hat Attachment Parenting strikte Richtlinien für einen sicheren Schlaf. Es ist die Nähe, die ausschlaggebend ist, nicht zwingend das gemeinsame Schlafen im Elternbett.
  • Bestimmtheit
    Das erklärt sich von selbst: Seien Sie bestimmt, halten Sie Zeitpläne ein und seien Sie fürsorglich.
  • Diziplinierung
    Keine Bestrafung. Disziplin ist nicht dafür gedacht, Ihrem Kind ein schlechtes Gewissen zu machen oder Schuldgefühle einzureden.
  • Gleichgewicht

Halten Sie Leben im Gleichgewicht. Ihr eigenes sowie Ihr Familienleben müssen sich nicht in die Quere kommen.

Quelle: www.betreut.de

Ein für mich sehr wichtiges Thema bei der bedürfnisorientierten Erziehung ist: Es wird nicht mit dem Kind geschimpft, wenn es mal etwas Blödes tut (es ist eben ein Kind!), noch werden Drohungen ausgesprochen oder Verbote erteilt. Die Eltern handeln bestimmt, aber liebevoll. Einer Methode, die ich mir immer mehr und mehr anzueignen versuche und die auch bei meiner Tochter eine sehr große Wirkung zeigt. Anstatt Worte wie „…sonst fahren wir nach Hause!“, wenn sie sich auf Besuch trotzend benimmt, nehme ich sie zur mir auf den Schoß und beruhige sie. Anstatt sie zu schimpfen, wenn sie Essen auf den Boden wirft – oder es ihr sogar wegzunehmen – erkläre ich ihr ruhig, was daran falsch ist. Will ich sie anziehen, sie aber nicht, sage ich bestimmt, dass wir uns erst anziehen müssen, und erst dann rausgehen können, wenn wir das erledigt haben. Funktioniert das nicht, dann lenke ich sie mit einer Geschichte ab. Schmeißt sie mir die Zahnbürste nach, weil sie nicht Zähne putzen will und noch dazu böse wird, dann erkläre ich ihr, dass zuerst Zähne geputzt wird und wir uns dafür dann auf die Couch kuscheln. Und funktioniert das nicht, dann scherze ich bis wir sogar Spaß am Zähne putzen haben. Und sie macht mit, freiwillig. Vorher habe ich ihr gerne gedroht, dass sie sonst keine Schokolade mehr essen darf. Und was war da die Wirkung? Sie wurde noch zorniger und hat erst recht nicht die Zähne geputzt bzw. mich nicht putzen lassen.

All diese Methoden machen nicht nur mein Kind zufriedener, sondern auch mich. Und genau deshalb versuche ich Tag für Tag daran zu arbeiten, auch wenn mir in der ein oder anderen nervenaufreibenden Minute manchmal auch noch ein „…sonst fahren wir nach Hause!“ herausrutscht. Ob ich sie dadurch verwöhne oder nicht kann ich ganz klar mit einem „Nein“ beantworten. Es gibt Regeln, nur werden diese anders kommuniziert. Und diese Art der Kommunikation schafft ein sehr großes Vertrauen.

 „Vertrauen ist für Fürsorge essenziell, und indem Sie mit den Bedürfnissen Ihrer Kinder verantwortungsbewusst umgehen, wird sich Ihr Kind darauf verlassen, dass Sie da sind, wenn es Sie braucht. Wächst ein Kind mit Vertrauen und bedingungsloser Liebe durch einen verantwortungsbewussten Elternteil auf, wird es glücklich und gesund heranwachsen.“ (Dayna Martin, Erzieherin, Autorin und Urheberin von „The Sparkling Martins” auf https://www.betreut.de/magazin/kinder/attachement-parenting/)
Liebe Mütter, die ihr das liest: für mich ist attachement parenting eine wunderbare Art der Erziehung, was aber nicht heißt, dass ich andere Methoden schlecht finde. Denn JEDE MAMA findet für sich und ihr Kind den optimalsten Weg und das ist auch gut so! Auch mein Mann handelt nicht immer so, wie ich es mir gerne wünschen würde – und dennoch handelt er für sich richtig, und auch für meine Tochter. Aber: auch er versucht Tag für Tag an sich zu arbeiten um uns dabei zu unterstützen, diesen Weg zu gehen.

3 Gedanken zu “Bedürfnisorientierte Erziehung

  1. klabauterfrau schreibt:

    finde ich ganz klasse, aber spätestens zur Pupertät ist alles vorbei!
    Egal welche erziehungsform man einschlägt, Liebe und Zuneigung sollte immer an erster Stelle stehen, aber auch Regeln. Und wie soll ein Kind es lernen, wenn fast alles erlaubt ist und nur Erklärungen bereit gestellt werden. Ein 3 jähriges Kind versteht noch nicht alles, so ist ein Nein! einfacher, als stundenlanges Rumerklären…..mit dem Teeniezwerg habe ich es teils so veranstaltet….was ist daraus geworden? Ein Kind, was alles ausdiskutiert haben will. Alles!!! Ich finde angebrachtes Schimpfen, lernreifer. Schimpfen ist natürlich nicht hystierisches Rumgemotze, das hilft auch nicht! Da rein, da raus….Und ganz ehrlich, wie auch immer man Kinder erzieht, es ist immer verkehrt!
    Danke aber für die Vorstellung des Prinzips…..ich mecker lieber;)

    Gefällt 1 Person

    • mamavonzoe schreibt:

      Auch beim AP kann man Kinder nach Regeln erziehen, sie eben nur anders kommunizieren. Es braucht nur einiges mehr an Feinfühligkeit, und vor allem Geduld. Es heißt keineswegs, dass alles erlaubt sei. Natürlich ist es auch vom Charakter des Kindes abhängig, ganz klar. Aber das ist generell alles, denn auch ein „Nein“ wird phasenweise nicht immer akzeptiert. Aber wie du bereits meintest, wie auch immer man seine Kinder erzieht, es ist immer verkehrt 😉 Zu deinem Teeniezwerg: auch ich bin ein Mensch, der immer alles ausdiskutiert haben will, auch wenn bei meinen Eltern ein „Nein“ auch wirklich ein „Nein“ war und es da hieß: „Ich lasse mich auf keine Diskussion ein.“ Und doch habe ich mich so entwickelt … alles auch Charakterabhängig würde ich sagen. Bin ich froh, dass es bei uns noch einige Jahre bis zur Teeniezeit hat. Liebe Grüße dir!

      Gefällt 1 Person

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