Fernreise mit einer Zweijährigen: Mein Erfahrungsbericht

Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen. Wer eine Reise mit einem Kleinkind macht, ebenso. Mein Mann, meine Tochter und ich waren also drei Wochen lang auf Familienbesuch am anderen Ende der Welt, weit weg von unserem Zuhause, unserer Familie, den Freunden, dem Kater und dem Kindergarten. Eine ganz schöne Umstellung, vor allem für unsere Tochter. Nicht nur, weil sie weit weg von all dem Vertrauten war, sondern weil sie auch einen ganz neuen Lebensstil kennen und nach wenigen Tagen der Ankunft auch lieben gelernt hat, und das mit ihren zwei Jahren. Ein wunderbares Erlebnis.

Die Ankunft. Nach gut 23 Stunden Reisezeit waren wir endlich am Flughafen in Manila angekommen. Schnell das Langarmshirt ausgezogen und die geschlossenen Schuhe in Sandalen umgetauscht sind wir auch schon zur Ankunftshalle geeilt, wo uns die Mama meines Mannes empfangen wollte – inklusive der restlichen Familienmitglieder, die noch im Auto Platz hatten. Die Lola (Tagalog für „Oma“) hatte die Maus bereits zuvor persönlich kennen gelernt als sie uns besuchen war, doch den Rest der Bande sah sie zum ersten Mal außerhalb von Skype. Und weil sich natürlich alle riesig auf die Maus gefreut haben wurde sie von allen Seiten umarmt und geküsst, weshalb aus meinem quirligen Mädchen kurzerhand ein schüchternes Baby wurde. Nach dieser erschöpfenden Reise haben wir den Tag sowie auch den darauffolgenden noch gemütlich bei der Lola ausklingen lassen, damit sich die Maus an die neue Umgebung gewöhnen konnte.

Die erste Nacht. Jetlag sei Dank schliefen wir die erste Nacht bei der Lola erst um ein Uhr früh ein, was auch die neue Umgebung ausgemacht hat. So viele neue Leute, die da spät abends noch draußen bei uns saßen, ein unbekannter Lärmpegel aus Musik, Motoren- und Hühnergeräusche, ständig nasse Haare von der schwülen Hitze und dann wurde die Maus auch noch von einer Kakerlake angeflogen – keine gute Kombination. So lief ich mit der Maus im Arm bis früh morgens vor dem Apartment rum, die mir unter Tränen immer wieder diese eine Frage stellte: „Mama, wann fahren wir wieder heim?“ Eine sehr emotionale erste Nacht, vor allem nach all den Strapazen um dorthin zu kommen. Doch war ich mir sicher, dass sie Welt morgen wieder anders aussieht.

Die Eingewöhnung. Am nächsten Morgen war die Laune zwar besser, doch brauchte es noch weitere drei Tage mehr, bis die Maus sich wirklich an die neue Situation gewöhnen konnte. Diese eine Frage wurde uns also noch an die hundert Mal gestellt, vor allem wenn sie müde, traurig oder hungrig war. Am dritten Tag sind wir dann gemeinsam mit den beiden Onkeln der Maus, der Lola und deren Lebensgefährten an den wunderbaren Bade- und Surfort La Union gereist, wo wir Meer und Strand genossen haben und selbst etwas zur Ruhe kommen konnten. Und weil wir, wie Filipinos das eben so machen, alle ein riesen Hotelzimmer geteilt haben, war die erste Nacht dort dann auch weniger erfreulich, ebenso der nächste Morgen, an dem der Papa dann mit der Maus draußen alleine Flaschi trinken musste. Zu viele Leute vor und nach dem Schlafen gehen, das war unserer Tochter dann doch nicht so geheuer, auch wenn sie sich später zu potentiellen Spielgefährten entpuppt haben.

Neues Essen. Natürlich war es der Maus nicht neu Huhn, Fisch, Gemüse und Reis zu essen, und doch hat es gut drei Tage gedauert bis sie begann das Essen überhaupt zu probieren. Die ersten Tage hatte die Maus fast alles außer ihrer Milch, Brot, Ei und Süßigkeiten abgelehnt. Als am dritten Tag der Hunger dann doch einsetzte war die Maus nicht mehr zu bremsen, und das bis zum Ende des Urlaubes. Kaum hat jemand gegessen wollte sie mitessen, egal ob Reis- oder Nudelgericht, Obst oder Gemüse. Ein riesen Schritt zur Eingewöhnung war getan.

Die Hitze. Ebenso wie wir war es auch die Maus nicht gewohnt ständig über 30 Grad im Schatten ausgesetzt zu sein. Diese ungewohnte Hitze ließ die Maus die ersten beiden Tage wohl auf das Essen verzichten und ihre Laune in Grenzen halten. Doch zu meiner Verwunderung war die Hitze wohl das geringste Übel bei der Eingewöhnung. Weder heiß noch Klimaanlagen-kalt machten der Maus wirklich etwas aus, auch nicht der ständige Wechsel von heiß zu kalt, wenn man mit Schweißperlen auf der Stirn ein Gebäude oder Auto betritt. Es konnte auch noch so heiß sein, vom Spielen oder Laufen konnte die Maus nie satt haben. Dann wurde eben noch mehr Wasser getrunken als sonst, und weiter gings.

Reisen. Wir würden ja nicht die Inselwelt der Philippinen genießen, würden wir uns nur auf einer Insel oder einem Badeort aufhalten. So flogen wir nach dem Besuch der Lola in Clark und dem Surftrip in La Union von der Insel Luzon auf die Insel Cebu, der Heimatinsel meines Mannes. Weil der Inlandsflug einige Stunden Verspätung hatte und wir schließlich erst gegen 23 Uhr in Cebu landeten, haben wir uns dann doch kurzfristig dazu entschieden die erste Nacht in einem Hotel zu bleiben. Nicht, weil unsere Tochter bereits tief und fest schlief, sondern weil wir der müden Maus eine weitere Willkommens-Zelebrierung der restlichen Cousinen, Cousins und dem Opa um diese Uhrzeit nicht zumuten wollten. Und es war die richtige Entscheidung, definitiv. Wir verbrachten also wunderschöne Tage in Cebu bei der Familie, reisten nach Moalboal und den Kawasan Falls, wo wir auch die Nacht verbrachten, machten Tagesausflüge ans Meer oder zu anderen Destinationen – und nach wenigen Tagen war die Familie meines Mannes, bei denen wir in Cebu auch wohnten, unser neues „Daheim“. Wenn die Maus dann nach einem langen Badetag „Heim fahren“ wollte, dann meinte sie unser philippinisches Daheim.  Und war eine Cousine mal nicht da, dann fehlte ihr bereits etwas.

Neue Freunde. Wo wir auch waren und wo wir Kinder trafen, schloss die Maus neue Freundschaften. Vor allem in der Nachbarschaft unserer Unterkunft in Cebu. Egal ob früh morgens oder abends, gespielt und getollt wurde wann Zeit war, auch wenn die Kinder nicht die gleiche Sprachen beherrschten. Sie verstanden sich, fanden die selben Gesten und Lieder lustig, sangen auf Englisch, Cebuano und Deutsch, spielten verstecken und erkundeten die Umgebung – und suchten einander, wenn mal ein Kind fehlte. Die Kinder dabei zu beobachten war wunderbar.

 

Neue Rituale. Wir hatten alles im Koffer dabei, was die Maus im Alltag Zuhause nicht entbehren kann. Schnulli, Bärli, ihre Lieblingsbücher, ihren Sandmann, ja sogar das iPad um vor dem Schlafen gehen eine Folge Sandmännchen schauen zu können. Doch alles was sie brauchte war ihr Schnulli und Bärli, denn hier brauchte es neue Rituale. Zu Mittag waren wir meistens unterwegs, was aber kein Problem war. Flaschi trinken und einschlafen konnte sie nach nur wenigen Tagen überall problemlos. Waren wir gerade auf dem Weg irgendwohin hat sich die Maus mit einem erholsamen Mittagsschläfchen die Fahrtzeit verkürzt. Waren wir beim Baden hat es auch nur Mamas Schoß und das Flaschi gebraucht und der Rest hat von ganz alleine funktioniert, ebenso abends. Die Maus hat schnell angefangen zu sagen, wenn sie schlafen wollte. Abends sind wir mit Papa ins Zimmer, haben noch etwas getratscht und dabei eine Geschichte erzählt, bis sie ins Land der Träume abtauchte – und wir manchmal gleich mit ihr.

Die Familie. Der Opa, die Oma, die Uroma, die beiden Onkeln, Cousinen und Cousins, Großtanten und Onkel und all die Angehörigen mit dazu, die Familie meines Mannes ist wirklich groß. Und allesamt haben die Maus von der ersten Sekunde an ins Herz geschlossen, was andersrum manchmal nicht sofort geklappt hat. Als wüsste sie es, so war die Maus eher zu den nahen Verwandten hingezogen, und zwar zum Opa, der Oma und den beiden Onkeln. Die anderen waren perfekt zum Spielen und zum Süßigkeiten entlocken, umarmen oder tragen wurde dann doch gerne von ihr abgelehnt.

Die Tierwelt. Was die Maus zuvor noch alles zum Ekeln gebracht hat, war auf den Philippinen schnell Geschichte. Insekten jeglicher Art, ja sogar Würmer und Spinnen waren plötzlich aufregend zu beobachten. Ebenso die Geckos, die Hühner, die Schafe, die Kühe (auch wenn sie noch so mager waren) und nicht zu vergessen alle Katzen und Hunde – und ich meine wirklich alle! Ob mit Ausschlägen, offenen Wunden und Co., es war jedes Mal wieder eine Herausforderung die Maus davon abzuhalten nicht alle Tiere anzufassen und zu streicheln.

Transport. Die Maus ist bereits zuvor immer gerne mit dem Auto gefahren. Auf den Philippinen hat sie jedoch sofort ihre Lieblings-Fortbewegungsmethode gefunden: das Motorrad. Entweder bei Papa vorne stehend, oder sitzend zwischen meinem Mann und mir, sie genoss es in vollen Zügen, egal wie viel Fahrtwind es dabei gab. Ebenso das Trycicle fahren.

Papa und Mama. Die ersten Tage waren anstrengend, allemal. Ging es unserer Tochter gut, dann ging es uns auch gut. War sie unglücklich und traurig, so wie es in den ersten Tagen war, ging es uns ebenso an die Nieren. Wir sind eben Mama und Papa und somit hauptverantwortlich für ihr Wohlbefinden. Und so wie wir uns um unsere Maus sorgten, so sorgten sich Oma und Opa um uns und ihr Enkelkind. Nachdem sich die Maus in der neuen Umgebung schließlich gut eingelebt und die Oma ins Herz geschlossen hatte, konnten mein Mann und ich spät abends dann auch mal ohne schlechtes Gewissen das Eltern sein für ein paar Stunden ablegen und das Ausgehen genießen. Die Maus schlief währenddessen friedlich Zuhause mit der Oma als Nanny.

Philippinen mit Kind vs. Philippinen ohne Kind. Wir waren bereits vor der Geburt unserer Tochter einige Male gemeinsam in der Heimat meines Mannes um das Leben dort zu genießen. Während wir bei unseren Urlaube als kinderloses Pärchen hauptsächlich die Nacht zum Tag gemacht haben und somit das Wesentliche des Landes gerne verschlafen haben, haben wir mit Kind auch die Tage vollkommen ausgeschöpft. Kurz gesagt: weniger Nightlife, dafür wunderschöne Bade- und Ausflugstage mit unserer Tochter, und zwar so ausgerichtet wie es für die Maus am angenehmsten war. Schlaf- und Essenspausen ebenso wie Pausen jeglicher Art, die für sie in speziellen Momenten notwendig waren, fanden immer und überall statt. Die Maus hat die Geschwindigkeit vorgegeben, Stress war somit gar kein Thema für uns. So wie der Alltag mit Kind langsamer ist, so ist es auch das Reisen. Was unser Kind entdeckt hat, das haben auch wir entdeckt, wie viel Zeit sie sich dafür nehmen wollte, das war ihr überlassen. Wir konnten ewig mit den anderen Kindern die Straße auf und ab spazieren, dabei immer wieder die Leute auf Cebuano begrüßen. Oder bei jedem Wurm innehalten. Oder den Nachbarn beim Videoke singen zuhören und dabei immer wieder erfreut mittanzen. Das Land mit einem Kleinkind zu erleben ist anders, keine Frage, und doch schöner als je zuvor.

Das Fazit. Wir wären liebend gerne noch weitere Wochen geblieben, wäre der Urlaub nicht schon zu Ende gewesen. Die gesamten drei Wochen waren eine wunderbare Erfahrung, die kostbarer nicht sein konnte. Nun ist es gewiss: wir könnten überall auf der Welt hinreisen, unsere Tochter würde es genießen, wenn auch erst nach einer kurzen Eingewöhnung. Und dafür braucht es kein teures Hotel, damit wir denselben Lebensstandard haben wie Zuhause in Österreich. Die Maus ist ebenso anpassungsfähig wie mein Mann und ich es immer sein werden. Denn Hauptsache ist wir sind alle drei zusammen, dann kann niemals eine Reise schief gehen. Ich würde die Koffer sofort wieder packen, keine Frage.

 

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3 Gedanken zu “Fernreise mit einer Zweijährigen: Mein Erfahrungsbericht

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