Was in keiner Elternbibliothek fehlen darf

Schauplatz Supermarkt. Das Kleinkind möchte am liebsten ein Eis, drei Tafeln Schokolade und zusätzlich eine Haribo-Packung mitnehmen, oder viel besser gleich aufmachen ohne dass Mama oder Papa es vorher bezahlen. Ein elterlicher Erklärungsversuch läuft schief, das Kind ärgert sich, wirft sich auf den Boden und schreit, alles natürlich inmitten der anderen Supermarkt – Kunden.

BuchtippNa, kommt euch das irgendwie bekannt vor? So oder so ähnlich erlebt es wohl jede Mama oder Papa mindestens einmal in ihrer/seiner Elternlaufbahn. Trotzen, eine der normalsten Reaktionen, die ein Kleinkind in Situationen des Ärgers oder der Enttäuschung tut. Doch warum verhaltet sich der sonst so süße Zwerg eigentlich so? Das haben sich die beiden Autorinnen und Bloggerin Danielle Graf und Katja Seide, beide selbst Mütter zweier Kinder, in ihrem Buch „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen“ zum Thema gemacht. Wie funktioniert das Gehirn von Vierjährigen? Warum kann Empathie erst später empfunden werden? Wie verhält sich ein dreijähriges Kind in Stresssituationen, warum beisst mich mein Kind – und ist das überhaupt alles normal? Um die Spannung vorweg zu nehmen: ja, es ist normal und völlig legitim, auch wenn es einiges an Nerven und Geduld braucht dabei als Elternteil nicht manchmal selbst auszuflippen.

Auch vor dem Buch habe ich mich bereits zu den „verständnisvollen Mamas“ gezählt, habe nur selten die Nerven verloren und zum Großteil ruhig und gelassen auf mein Kind reagiert, wenn es mal trotzig war. Und doch habe ich während des Lesens noch unglaublich viel gelernt, was ich vorher noch nicht wusste. Das Kleinkinder nichts mit Absicht machen, zum Beispiel, was ich meiner Tochter das ein oder andere Mal unterstellt habe. „Nein, bitte leere das Glas nicht aus!“ Und schon war das Wasser am Boden und sie hatte gelacht. Nicht etwa, so wie ich mich sicher war, weil sie mich ärgern will – denn das kann in diesem Alter noch gar nicht abgeschätzt werden (!), sondern weil mein Kind wohl eher das Wörtchen „Nein“ oder „Nicht“ überhört weil aktionsfördernde Wörter wie „das Glas ausleeren“ viel spannender sind. Und, weil das Ursache-Wirkungs-Prinzip zu interessant ist um gewisse Dinge, die sie nicht tun sollten, immer wieder zu wiederholen. Oder aber auch, dass unser ewiges „Jetzt sag bitte Entschuldigung!“ wenn sie etwas angestellt haben im Grunde überhaupt nichts bringt, weil sie mit ihren zweieinhalb Jahren dem Wort „Entschuldigung“ gar keine Bedeutung geben kann. Vielmehr wird dieses Wort gelernt, wenn es die Eltern dem Kind vorleben und sich selbst entschuldigen oder bedanken, wenn es passt.

Das Buch beinhaltet unzählige solcher Alltagssituationen, die wir alle früher oder später einmal selbst mit unserem Kind erfahren werden. Vor allem verhilft es dazu die Situationen des Gefühlschaos‘ aus dem Kopf der Kinder zu betrachten, was wirklich wirklich toll ist. Und, dass der „Eigensinn“, den wir als Eltern unserem Kind so oft unterstellen, gar keiner ist. Den pädagogischen Ansatz weg von der klassischen Erziehung hin zu bedürfnisorientiert ist für mich als Mama eines der wohl spannendsten Hilfen um „brenzliche“ Situationen einfacher in den Griff zu bekommen und dem Kind beizustehen mit den Gefühlen fertig zu werden, und das mit einer riesen Portion Liebe und Verständnis.

280 Seiten, die in keiner Elternbibliothek fehlen dürfen, darüber war ich mir bereits beim Lesen des Vorwortes sicher. Sehr empfehlenswert für alle Eltern, die mehr über das Denken und Handeln ihres Kleinkindes lernen wollen. Ebenso bietet der dazugehörige Blog www.gewuenschtestes-wunschkind.de, wo es das wunderbare Buch zu kaufen gibt, einige spannende Themen rund um Trotzphase und Co. 

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