Die unfassbare Fantasie der Kinder

Aktuell begrüßen wir sie täglich, die Fantasiespielgefährten meiner zweieinhalbjährigen Tochter. Bereits seit geraumer Zeit tummeln sich jeden Tag neue imaginäre Freunde in unserem Wohnzimmer oder begleiten uns mit auf dem Weg, sei es zum Spielplatz oder in den Garten. Oft sind es ihre echten Freunde in unsichtbarer Variante, mit denen sie das spielt was sie mit ihnen das letzte Mal im Garten gespielt hat. Und dann sind es wieder jene Figuren, die ihr gerade in den Sinn kommen. Die Dame vom kleinen Geschäft zum Beispiel, bei der sie Zuhause am Wohnzimmerfenster ihre Lebensmittel einkauft. Oder aber ein Fantasiebaby, dass sie in den Schlaf schaukelt, füttert oder am Spielplatz von der Rutsche rutschen lässt. Sie dabei zu beobachten, wie sie in der Puppenküche alleine für ihr imaginäres Baby essen kocht oder das Plastelin mit ihren echten, aber in dem Moment imaginären Freunden teilt ist unglaublich unterhaltsam, aber auch unglaublich süß.

Mit ihrer Vorstellungskraft schafft meine Tochter es sich selbst zu beschäftigen und bereits wie eine Große alleine zu spielen, manchmal gekoppelt mit anderem Spielzeug, oftmals aber auch komplett ohne. Sie erschafft sich also selbst eine Fantasiewelt um etwas zu erleben und das alleine Spielen noch intensiver, vor allem aber lustiger zu gestalten.

Was früher als etwas komisch galt, weil den Kindern unterstellt wurde, dass sie halluzinieren, ist eigentlich ein Zeichen geistiger Gesundheit, meint der US-Psychologe Jerome Singer. Fantasiefreunde unterstützen die Kinder in vielerlei Hinsicht, denn nicht umsonst werden sie von ihnen – wenn auch oftmals für einen bestimmten Moment – erschaffen. So unterscheidet der Psychologe Singer auch verschiedene „Arten“ von imaginären Freunden:  

Der Spielgefährte, der das Kind unterhält, wenn ihm langweilig ist, oder es auf das Geschwisterchen oder Freunde böse ist, oder einfach seine Ruhe haben will.

Der Beschützer und Tröster, um in Momenten der Angst oder Trauer Halt zu finden.

Der Verbündete, der gemeinsam gegen die Eltern oder andere rebelliert.

Oder auch der Sündenbock, den ein Kind manchmal braucht, wenn es etwas getan hat, wofür es vielleicht geschimpft wird. (Vgl. eltern.de/Der Kumpel aus dem Fantasieland)

Meine Tochter teilt ihre Freunde auch gerne mit uns Großen. „Mama, haltest du bitte mal mein Baby?“ Auf die Frage hin wie denn ihr Baby heiße hat sie stets eine andere Variante auf Lager, jedoch immer einen uniquen Namen. Und halte ich manchmal sogar vier imaginäre Babys im Arm, während meine Tochter für sie Fläschchen macht, beginnt mindestens eins davon zu „weinen“. „Mama, das kleine Baby weint!“ und die „Baby“-Mama kommt schon angesaust. „Ist schon gut, ich bin eh da. Kein Grund zum Weinen!“ Und schon wird das Baby im Arm gewiegt und beruhigt. Die Fantasiefreunde meiner Tochter sind also nicht nur zur eigenen Unterhaltung da, sondern auch zum sozialen Verhalten und Kommunizieren lernen und um genau jenes auszuprägen. Im Fantasieland gibt es nämlich keine Fehler oder Streitereien mit anderen echten Gleichgesinnten, sondern nur jene Momente, die das Kind selbst erschafft. So kommt auch vor, dass sie sich gerne mal in der Rolle wieder findet, in der sie schimpft und andere zurechtweist.

Ich könnte ihr stundenlang dabei zusehen…

 

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