Die Freizeit entschlacken

Heute in exakt sieben Wochen neigt sich das Jahr 2017 dem Ende zu. Arbeit, Krabbelgruppe, Familienzeit, Urlaube, Ausflüge, alltägliche Verpflichtungen und der Freizeitstress – langweilig wurde es auch dieses Jahr keine Sekunde lang. So stehen wir hier, am 12. November, alle kommenden Wochenenden bis Weihnachten verplant. Dazwischen die Arbeitswochen, die letzten anstehenden Arzttermine, die wir das ganze Jahr vor uns hingeschoben haben, der Geburtstag meines Mannes, zwei Wochenendtrips, Besuche von Weihnachtsmärkten, Kekse backen, Geschenke besorgen, Weihnachtsfeiern und der dritte Geburtstag der Tochter kurz vor unserem Silvestertrip mit Freunden. Dazwischen spielen, malen, basteln, Weihnachtsgeschichten und Co. Langeweile wird also auch in den letzten Wochen des Jahres nicht aufkommen.

Viel zu viel vor, zu wenig Zeit. Ob man nun kinderlos Vollzeit arbeitet, oder Teilzeit neben der Familie: die freie Zeit ist bei jedem Mangelware, so auch bei uns Müttern. Wer diese freie Zeit stets bis in die letzte Minute verplant, dem kann der Freizeitstress ganz schnell über den Kopf hinaus wachsen. Energielosigkeit und schlechte Vibes sind die Folge, was die eigentliche freie Zeit somit auch nicht zu einer genussvollen Zeit macht. Der bloße Gedanke an Verpflichtungen wie Rechnungen bezahlen, Telefonate führen, das bevorstehende Autoservice, für das es noch keinen Termin gibt, der Haushalt oder ähnliches erzeugen bereits jetzt inneren Stress. Die To Do – Liste im Kopf hemmt die gemeinsame Spiele- und Familienzeit, das Nicht-Abschalten-Können hat sowohl Auswirkungen auf die Aktivität in der Arbeit als auch Zuhause. Die eigenen Needs werden in all der Zeit komplett hinten an gestellt. Zudem überträgt man Stress und Hektik auf seine Mitmenschen, und zwar vor allem auf die eigene Familie.

Wird das „Niemals-Langweilig-Werden“ kräfteraubend kann es Auswirkungen auf die gesamte Familie mit sich bringen. Work-Life-Balance ist fehlgeschlagen, Verursacher dafür sind wir selbst, allen voran wir Mamas, die stets alles unter einen Hut bringen wollen und Schwäche und Müdigkeit nicht gerne zugeben. Zu perfekt sind die Mama-Ideale, die täglich unsere Instagram-Wall zieren, zu reizvoll jede tolle Aktivität, die sich uns anbietet. Die Kinder werden zu allem mitgeschleppt, auch wenn sie viel lieber mal einen Tag Zuhause einlegen würden. Es ist Zeit für die Notbremse!

Um die Freizeit aktiv etwas entschlacken und entschleunigen zu können hilft es sich vorher bewusst zu werden, welche Aktivitäten an den Kräften im Alltag zerren. Stop zu allem, was mehr Energie aufsaugt als gibt. Autoservice und Arzttermine müssen sein, doch der Rest der Freizeit kann selbst gestaltet werden. Es gibt die gemütlichen Treffen, die einen gut tun, doch gibt es auch die „Muss“-Veranstaltungen – beide sind jedoch freiwillig. Warum also etwas tun, was mehr als „muss“ empfunden wird als Vergnügen? 

Zeit für Erholung und Nichts tun einplanen. Wer jede freie Minute der Freizeit komplett verplant, der hat keine Zeit für die spontanen schönen Dinge: lange Familienfrühstücke, verregnete Pyjamavormittage, Zeit zum gemeinsamen Spielen und Erleben des Kindes, Albernheiten und und und. Keine Sorge: mit Kind wird auch das Nichts tun niemals langweilig. Vor allem aber ist es der beste Energielieferant für beide Seiten. Auch wenn ihr mal zwei Wochen lang außer Arbeit und Familie NICHTS vorhabt.

Das Kind bestimmen lassen, was es machen will. Wenn Mama sich unschlüssig ist ob der freie Freitag-Vormittag mit einkaufen, Brunch mit den Freunden oder Zuhause verbracht werden soll, kann es helfen wenn das Kind zwischen den Aktivitäten entscheidet. Spätestens wenn sich das Kind für den Vormittag Zuhause entscheidet weiß man wie es um die Freizeit-Needs des Nachwuchs steht. 

Ab an die frische Luft! Ob ein langer Spaziergang mit dem Kind oder eine Joggingrunde zum Auspowern: Bewegung an der frischen Luft ist einer der schnellsten Stresskiller, der in den täglichen Alltag eingebaut werden kann.

Zeit einplanen, im Hier und Jetzt – und das ebenso in den Stunden vor und nach der Arbeit. Sei es das Frühstück vor der Arbeit oder der Supermarktbesuch danach: wer Zeit einplant um im Moment auch trödeln zu können, der nimmt ihn auch bewusster wahr, ohne dass jedes Mal eine Hektik entsteht, wenn das Kind mal länger braucht um sich anzuziehen.

Multitasking ja, aber um welchen Preis? Mittlerweile wissen wir, dass wir alle gefühlte hundert Dinge nebeneinander machen können, vor allem wir Mütter sind stets unglaublich stolz auf diese Fähigkeit. Doch haben weder Kind noch Mama was davon, wenn die Mama morgens vor der Arbeit zwischen Frühstück und Bad mit dem Handy in der Hand hin- und herläuft.

Perfektionismus war gestern. Man muss nicht alles unter einen Hut bringen, auch wenn wir das stets anstreben. Einen Gang runter schalten und die Wäsche auf morgen verschieben hat auch noch niemanden weh getan.

Aufgaben abgeben. Haushaltsangelegenheiten, der Einkauf oder der Zahnarztbesuch des Kindes: auch die Papas übernehmen gerne diverse Verpflichtungen wie diese, wenn wir sie darum bitten.

Sich selbst eine freie Zeit einräumen. Ob nun Sport, einen Frisörbesuch, ein Date-Night mit dem Mann oder einem guten Buch oder Film: eine freie Zeit wie diese braucht selbst die organisierteste Mama um Abschalten zu können und sich gut zu fühlen.

Genügend Schlaf. Dass wir Höchstleistungen erbringen können trotz weniger Stunden Schlaf, das ist bekannt. Doch tut es einem nicht gut, können längere Ruhezeiten Wunder wirken. Vor allem dann, wenn einem alles über den Kopf wächst. Lieber den Abwasch heute stehen lassen und dafür morgen wieder fit und ausgeruht in die neue Woche starten.

Zeit nehmen und Zeit geben, für beides sind wir selber verantwortlich. Für unsere Kinder ist es unwichtig, was oder mit wem wir etwas unternehmen. Die Hauptsache ist, dass wir in der begrenzten Freizeit die wir haben für sie da sind, und das glücklich und zufrieden, mit vollster Aufmerksamkeit und Hingabe. Alles andere ist nebensächlich.

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